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Freitag, 14. September 2001
Wenn der Herbst krank macht.


Trübes Wetter und dunkle, verregnete Herbsttage schlagen bei vielen Menschen auf die Stimmung. Bei rund einem Prozent der Bevölkerung geht es aber um mehr als eine vorübergehende Traurigkeit. Sie leiden unter saisonal abhängigen Depressionen, auch bekannt als "Herbst- oder Winterdepression". Die Krankheit beginnt in den Herbstmonaten und endet im Frühjahr. In dieser Zeit klagen die Betroffenen über Energielosigkeit und übermäßige Traurigkeit. Sie haben mehr Appetit, vor allem auf Süßes. Zudem haben sie das Bedürfnis, mehr zu schlafen, und es fällt ihnen schwer, einen normalen Alltag zu bewältigen.

Verantwortlich für die so genannte Saisonal Abhängige Depression (SAD) könnte der Mangel an natürlichem Tageslicht sowie die verminderte Lichtintensität im Winter sein. Auch die verkürzte Sonneneinstrahlung und sinkende Temperaturen können Auslöser sein.

Viele Betroffene haben mit Vorurteilen zu kämpfen, denn Depressionen werden in der Öffentlichkeit immer noch nicht als "richtige Krankheit" anerkannt und mit normalen Stimmungsschwankungen verwechselt. "Dabei gibt es kaum eine andere Krankheit, die Menschen so ihre Lebensqualität und ihren Lebensmut rauben kann wie Depressionen", betont Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Als Sprecher des Großforschungsprojektes Kompetenznetz "Depression" möchte er über die Krankheit, ihre Symptome und Behandlungsmethoden informieren. Depressionen gehören zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen, da die Betroffenen oft zu Suizidhandlungen neigen. Obwohl erfolgreiche Behandlungsmethoden bekannt sind, erhalten nur 10 Prozent der Betroffenen eine adäquate Therapie, die dem Stand der Forschung entspricht.

Behandlungswege: Lichttherapie und Medikamente
Für einige Patienten mit Winterdepression ist eine Lichttherapie geeignet: Die Patienten sitzen zwei Wochen lang täglich vor einem starken Lichtgerät. Schon nach einigen Tagen kann es zu einer Stimmungsaufhellung kommen. Noch empfehlenswerter wäre jedoch ein regelmäßiger Spaziergang bei Tageslicht, das in unseren Breitengraden dem der Lichtgeräte entspricht. "Vor allem bei schweren Depressionen ist eine Behandlung mit Medikamenten sehr wichtig", sagt Prof. Ulrich Hegerl. Eingesetzt werden Medikamente, so genannte Antidepressiva, die auch bei anderen Depressionsformen verschrieben werden. "Für Betroffene gibt es auch eine gute Nachricht", sagt Prof. Ulrich Hegerl, "den meisten Patienten kann durch eine konsequente Behandlung gut geholfen werden. Wichtig ist es, einen Facharzt oder einen gut informierten Hausarzt aufzusuchen."

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