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Samstag, 7. April 2001
Weltgesundheitstag zum Thema "Psychische Gesundheit"

Da jeder neunte Patient in der Primärversorgung unter Depressionen leidet, fällt den Hausärzten die Hauptrolle bei der Früherkennung zu. Sie wird dadurch erschwert, dass es sich meist um leicht, unspezifische depressive Syndrome handelt, die nicht die DSM-IV-Kriterien erfüllen. Drei Fragebögen, die zum Screening infrage kommen, werden derzeit bei 25 Primärärzten aus dem Praxisnetz Nürnberg-Nord auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

  Bisher hat sich das kürzeste Verfahren, der "Well Being Index" der WHO, als ebenso gut wie die anderen erwiesen. Auch in der Therapie bestünden noch Unsicherheiten, sagte Henkel zur "Ärzte Zeitung". Mehr Licht ins Dunkelsoll die MIND (MINor Depression)-Studie bringen: Bei 500 Patienten, die im Screening aufgefallen sind, wird nicht nur eine SSRI-Therapie mit Placebo, sondern auch eine spezifische kognitive Verhaltenstherapie mit einer unspezifischen Gruppentherapie randomisiert und doppelblind verglichen.

Volkskrankheit Depression - nur 10 Prozent aller Betroffenen werden richtig behandelt

Thema des Weltgesundheitstages am 7. April 2001 sind die psychischen Erkrankungen. Weltweit steht die Depression zahlenmäßig an der Spitze dieser Krankheiten mit neuropsychiatrischem Ursprung. "Wir begrüßen die Kampagne der Weltgesundheitsorganisation, im Jahr 2001 auf die psychischen Erkrankungen und die bestehenden Behandlungsdefizite aufmerksam zu machen", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Sprecher des Großforschungsprojektes Kompetenznetz "Depression".

4 Millionen Deutsche betroffen - nur 10 Prozent erhalten eine adäquate Therapie

Vier Millionen Deutsche leiden unter einer depressiven Störung, die sich durch Symptome wie tiefe Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Interessenverlust äußert. "Obwohl die Krankheit mit Antidepressiva und Psychotherapie erfolgreich zu behandeln ist, erhalten derzeit nur etwa 10 Prozent aller Betroffenen eine Therapie, die dem Stand der Forschung entspricht", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Das Großforschungsprojekt Kompetenznetz „Depression" - gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung - hat es sich zum Ziel gesetzt, Forschung und Therapie besser zu vernetzen.

Eine Fortbildung von Hausärzten könnte nach Erkenntnissen der Wissenschaftler des Kompetenznetzes "Depression" die Behandlungssituation depressiver Menschen entscheidend verbessern, denn Depressionen werden in 50 Prozent aller Fälle gar nicht erkannt. Eine Diagnose gestaltet sich schwierig, weil viele Patienten im Arztgespräch nur über körperliche Beschwerden klagen. Erst durch gezieltes Nachfragen ist es für den Hausarzt möglich, eine Depression zu erkennen. Im Rahmen eines Nürnberger Pilotprojektes werden Ärzte, aber auch Multiplikatoren wie Pfarrer oder Altenpflegekräfte in der Erkennung depressiver Störungen geschult.

Depression oft unterschätzt - hohes Suizidrisiko

"Depression ist keine 'Befindlichkeitsstörung', sondern eine ernst zu nehmende Krankheit", betont Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Oft unterschätzt, kann die Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen, denn 15 Prozent aller Patienten mit schweren Depressionen nehmen sich im Laufe ihrer Krankheit das Leben. 1999 wurden in Deutschland 11.157 Suizide gezählt. Damit liegt die Zahl der Suizidopfer weit über der Zahl der Verkehrstoten von 7.749.

Psychische Krankheiten immer noch ein Tabu-Thema

Auch die Wahrnehmung der Krankheit in der Öffentlichkeit ist problematisch. Gemäß der Devise "Jeder ist mal depressiv" werden die Erkrankung und die Leiden der Betroffenen häufig verharmlost. Viele Patienten trauen sich nicht, offen zuzugeben, dass sie an einer psychischen Erkrankung leiden. Sie befürchten Ausgrenzung. "Psychisch Kranke werden in unserer Gesellschaft immer noch anders behandelt als körperlich Kranke", sagt Prof. Ulrich Hegerl, "das Kompetenznetz Depression möchte durch Information und Aufklärung dazu beitragen, dass es den Betroffenen in Zukunft leichter fällt, sich zu ihrer Erkrankung zu bekennen."


Kompetenznetz Depression
Sprecher: Prof. Dr. Ulrich Hegerl
Psychiatrische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
Nussbaumstraße 7
80336 München

Presse
Öffentlichkeitsarbeit Kompetenznetz Depression Tel. 089/5160 5553
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Info-Grafiken 

Abb. 1: Krankheiten neuropsychiatrischen Ursprungs in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen

Abb. 2: Suizide und Verkehrstote in Deutschland im Vergleich (1999)

Abb. 3: Optimierungsspielraum in der Behandlung von Depressionen
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