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Donnerstag, 11. Oktober 2001
Depression besser erkennen und behandeln


Weniger Suizide im Rahmen einer Nürnberger Pilotstudie
Mehr als 11.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr durch Suizid, weitere 100 000 Deutsche versuchen, sich das Leben zu nehmen. Die Suizidrate in der Bundesrepublik liegt  über dem europäischen Durchschnitt. "Depressionen, die nicht erkannt und nicht ausreichend behandelt werden, sind die Hauptursache für Suizide", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität".

Im Januar 2001 startete in Nürnberg eine bundesweit einmalige Pilotstudie zur Suizidprävention im Rahmen des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität". Der Name ist Programm: Das „Nürnberger Bündnis gegen Depression“ will die Versorgung depressiv erkrankter Menschen verbessern und so die Suizidrate senken.

"Nürnberger Bündnis gegen Depression"
"Das Nürnberger Aktionsprogramm wendet sich mit Informationen und Fortbildungsangeboten an alle Nürnberger Bürger", sagt David Althaus, Diplom-Psychologe und organisatorischer Projektleiter. Nicht nur Hausärzte werden geschult, Depressionen besser zu erkennen. Bisher fanden auch mehr als 60 Fortbildungen für Multiplikatoren wie  Pfarrer, Altenpflegekräfte, Lehrer und Polizeibeamte in Nürnberg statt. Plakate, Videos und ein Kinospot informieren die Nürnberger Bevölkerung über Depressionen, ihre Symptome und Therapiemöglichkeiten. Patienten nach Suizidversuch, eine besondere Hochrisikogruppe, erhalten eine "Notfallkarte", die in Krisensituationen den direkten Kontakt zum Spezialisten sicherstellen soll.

Zwischenergebnis: Niedrigste Suizidrate seit 20 Jahren
Erste Zwischenergebnisse des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression" zeigen einen positiven Trend: Von Januar bis September letzten Jahres wurden in Nürnberg 79 Suizide ermittelt; im Vergleichszeitraum 2001 waren es dagegen nur 47 Fälle. Dies entspricht einer Reduktion von über 40 Prozent. Auch bei den Suizidversuchen gab es einen Rückgang von 29 Prozent.

"Die sinkende Suizidrate ist sehr erfreulich", sagt Prof. Ulrich Hegerl, "aber wir werten derzeit sorgfältig aus, welche Faktoren des Aktionsprogramms zum Absinken der Suizid- und Suizidversuchsrate geführt haben." Vermutlich seien für die Reduktion nicht allein die Aktivitäten des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression" verantwortlich, sondern auch andere Faktoren wie z.B. ein überregionaler Trend, so Prof. Hegerl.

Depression: Kompetenznetz sieht bundesweites Informationsdefizit
Das Nürnberger Aktionsprogramm wird fortgesetzt, aber auch bundesweit sieht das Kompetenznetz "Depression, Suizidalität" Informations- und Aufklärungsbedarf.  Eine repräsentative Telefonumfrage (1.400 Interviews in zwei deutschen Städten) zeigte große Wissensdefizite in der Bevölkerung. So erkannten zwar die meisten Befragten Freudlosigkeit, Schuldgefühle und körperliche Beschwerden als typische Symptome einer Depression. Mehr als 50 Prozent gehen aber irrtümlich davon aus, dass zwanghaftes Putzen ebenfalls ein normales Symptom der Depression sei. Problematisch ist die Angst der Bevölkerung vor Antidepressiva. Diese Medikamente sind für die Therapie von schweren Depressionen unverzichtbar, 80 Prozent der Bevölkerung glauben aber, dass Antidepressiva abhängig machen können. Eine Fehlinformation mit Folgen: Viele Patienten nehmen die verordneten Medikamente nicht ein.

Kontaktadresse:
Psychiatrische Klinik der LMU München
Kompetenznetz „Depression, Suizidalität“
Prof. Dr. Ulrich Hegerl (Sprecher)
Nussbaumstraße 7
80336 München
Telefon 089/51 60 55 40
Fax 089/51 60 55 57

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