| Aktuelle Pressemitteilungen | |
|
Montag, 14. Juni 2004 Die Depression ist die psychische Erkrankung mit dem höchsten Suizidrisiko. Bis zu 15 Prozent der schwer depressiv erkrankten Menschen nehmen sich das Leben, ca. die Hälfte begeht in ihrem Leben einen Suizidversuch. In Deutschland sterben pro Jahr ca. 11.000 Menschen durch Suizid, das sind deutlich mehr als durch Verkehrsunfälle. In der Altersgruppe der 15-35jährigen steht der Suizid nach Unfällen sogar an zweiter Stelle aller Todesursachen. Besonders tragisch erscheinen diese Zahlen vor dem Hintergrund der bestehenden Therapiemöglichkeiten. Oft vergeht wertvolle, ja lebensrettende Zeit, bevor ein depressiv Erkrankter angemessen behandelt werden kann. „Eine Depression lässt sich gut behandeln, der großen Mehrheit der Patienten können wir helfen. Mit der Pharmako- und/ oder der Psychotherapie stehen uns heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung“, weiß Prof. Ulrich Hegerl, Psychiater an der Ludwig-Maximilians-Universität und Sprecher des Kompetenznetz Depression, Suizidalität. Es ist alarmierend, dass nur ein Drittel der Betroffenen medizinische Hilfe sucht. Viele gehen aus Scham nicht zum Arzt, weil sie ihre Erkrankung nicht als solche verstehen oder fälschlicherweise persönliches Versagen dafür verantwortlich machen. Bei vielen Patienten stehen auch körperliche Beschwerden im Vordergrund. Dies macht es auch für den Hausarzt, der meist der erste Ansprechpartner ist, schwer, eine Depression zu erkennen. So werden die meisten der vier Millionen an einer Depression erkrankten Deutschen nicht adäquat behandelt. Im Rahmen des vom Kompetenznetz Depression, Suizidalität initiierten „Bündnis gegen Depression“ konnte in einem Modellprojekt in Nürnberg die Zahl der Suizidversuche um über 25 Prozent gesenkt werden. Durch Fortbildungsprogramme für Ärzte und für Multiplikatoren wie Lehrer, Pfarrer oder Apotheker, durch Öffentlichkeitsarbeit, durch die Unterstützung von Selbsthilfeinitiativen sowie durch spezielle Angebote für Betroffene konnte die Versorgungssituation depressiv erkrankter Menschen verbessert werden. Inzwischen ist das Bündnis nicht nur bundesweit, sondern als „European Alliance Against Depression“ auch europaweit aktiv.
|