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Versorgungsdefizite bei depressiven Patienten
Eine pharmakotherapeutische Behandlung mit Antidepressiva und Psychotherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) kann der Mehrheit der depressiven Patienten helfen. Wirksame Behandlungen werden jedoch sehr häufig nicht eingesetzt, da Depressionen übersehen und in ihrer Schwere unterschätzt werden (siehe Abbildung). Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Die depressiv Erkrankten erleben ihre Erkrankung fälschlicherweise als persönliches Versagen und schämen sich, zum Arzt zu gehen. Viele Erkrankte sind auch zu hoffnungslos und kraftlos, um sich Hilfe zu holen.
- Die meisten depressiven Patienten befinden sich beim Hausarzt in Behandlung. Für diesen ist es oft schwierig, eine Depression zu diagnostizieren, da die Patienten körperliche Beschwerden in den Vordergrund stellen und so die zugrunde liegende Depression bei mehr als der Hälfte der Patienten nicht erkannt wird.
- Die Schwere depressiver Erkrankungen wird oft von den Nichtbetroffenen unterschätzt, leider nicht selten auch von Ärzten.
- Selbst wenn die Depression erkannt wird, erhält nur weniger als die Hälfte dieser Patienten eine konsequente antidepressive Behandlung - sei es, weil ärztlicherseits keine wirksame Behandlung verordnet wurde, sei es weil die Patienten die Behandlung, z.B. die Einnahme von antidepressiven Medikamenten (Antidepressiva), nicht einhalten bzw. vorzeitig wieder abbrechen oder das Angebot einer Psychotherapie ablehnen.

Die Abbildung verdeutlicht die zentrale Rolle der Hausärzte, da die Mehrheit der depressiven Patienten beim Hausarzt in Behandlung ist und hier große Optimierungsspielräume hinsichtlich Diagnose und Therapie bestehen.
Referenzen
1. Wittchen, H.-U., Müller, N., Pfister, H., Winter, S. & Schmidtkunz, B. (2000). Erscheinungsformen, Häufigkeit und Versorgung von Depressionen. Ergebnisse des bundesweiten Gesundheitssurveys „Psychische Störungen“. Fortschritte der Medizin, 118 (Suppl. 1), 4-10. 2. Montana, C.B. (1994). Recognition and treatment of depression in a primary care setting. Journal of Clinical Psychiatry, 55 (Suppl. December), 18-35. 3. vgl. Gilbody, S.M., Whitty, P.M., Grimshaw, J.M., & Thomas, R.E. (2003). Improving the detection and management of depression in primary care. Quality and Safety in Health Care, 12, 149-155. 4. Lepine, J.P., Gastpar, M., Mendlewicz, J., & Tylee, A. (1997). Depression in the community: the first pan-European study DEPRES (Depression Research in European Society). International Clinical Psychopharmacology, 12(1), 19-29. 5. Lingam, R., & Scott, J. (2002). Treatment non-adherence in affective disorders. Acta Psychiatrica Scandinavica, 105, 164-172.
Seite erstellt am 01.08.2000
Autor: Ulrich Hegerl >> mehr
Letzte Änderung am 30.11.2004
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