| Depression - ein Ratgeber | |||
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Weitere Informationsangebote des Forums: Sie können alle Broschüren beim Forum für seelische Gesundheit bestellen oder per Internet unter bestellung@forumseele.de anfordern. 1. Wozu diese Broschüre?Wie oft kommt es vor, dass wir alles grau in grau sehen, dass wir nichts haben, worauf wir uns freuen können und dann sagen: "Das alles deprimiert mich so!". Tatsächlich ist Depression nicht gleich Depression. Dies heißt nicht, daß man die "Depression" im umgangssprachlichen Sinne, die keine psychiatrische Erkrankung ist, auf die leichte Schulter nehmen sollte. Viele Menschen werden von ihren seelischen Problemen so belastet, dass sie sich nicht mehr allein helfen können, sondern die Unterstützung eines Experten benötigen. Dieser Helfer braucht jedoch nicht unbedingt ein Arzt oder ein Psychologe zu sein. Lebensprobleme können auch zusammen mit dem Partner oder mit Angehörigen gelöst werden - anders als bei der Depression im medizinischen Sinne. Leider werden die Depression im umgangssprachlichen Sinne und die Depression im medizinischen Sinne häufig verwechselt. Eine solche Verwechselung kann für denjenigen, der von einer Depression im medizinischen Sinne betroffen ist, gefährlich werden. Wer der Meinung ist, er durchleide nur ein Stimmungstief, wie es eben allen Menschen irgendwann einmal zustößt, kommt nicht auf die Idee, dass er von einer echten Erkrankung betroffen ist. Er versucht - oft unter quälenden Schuldgefühlen - allein zurechtzukommen, und verzichtet auf die notwendige Hilfe eines Arztes oder Psychologen. Ebenso ist es wichtig zu wissen, daß eine Depression im medizinischen Sinne keine seltene Erkrankung ist. Viele Betroffene befürchten, daß sie mit ihrem Leiden ein Einzelfall sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in einer groß angelegten Studie untersucht, wie oft Menschen, die allgemeine ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, an psychischen und psychosomatischen Störungen litten. In 15 weltweiten Erhebungszentren wurden insgesamt 26.422 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Das Ergebnis: 10,4% aller befragten Patienten litten an einer Depression. Diese Zahl mag zunächst erstaunen. Sie macht aber auf etwas Wichtiges aufmerksam: Es gibt mehr Betroffene als man denkt, weil viele ihre Erkrankung verschweigen. Diese Zurückhaltung ist leider nicht ganz unverständlich, denn psychische Erkrankungen sind für viele Menschen ein unbekannter, unheimlicher Zustand. Die meisten sind nicht ausreichend informiert; sie wissen zuwenig über seelische Leiden und können sich nicht vorstellen, daß eine psychische Erkrankung genauso schwer sein kann wie eine körperliche Krankheit. Die vorliegende Schrift möchte deshalb erklären, was unter einer Depression im medizinischen Sinne zu verstehen ist, welche Symptome sie hat und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Diese Informationen sollen dem Betroffenen helfen, seine Erkrankung zu verstehen und ihm die Möglichkeit geben, aktiv an seiner Besserung mitzuarbeiten. Dadurch soll auch Angehörigen und Freunden die Möglichkeit gegeben werden, die Situation des Erkrankten besser zu verstehen, um ihn während seines Genesungsprozesses unterstützen und begleiten zu können. Für das Umfeld eines Betroffenen ist oft schwer, das ungewohnte Verhalten des Erkrankten zu verstehen. Deshalb ist es wichtig, dass Freunde und Angehörige über die Erscheinungsformen einer Depression und ihre Begleiterscheinungen informiert sind. Wenn Sie diese Broschüre als Patient oder Angehöriger lesen, fragen Sie Ihren Arzt nach weiteren Exemplaren, verteilen Sie diese an Verwandte und Freunde und verschaffen Sie auf diese Weise anderen Menschen das notwendige Wissen. 2. Was ist eine psychiatrische Erkrankung? Was ist ein seelisches Leiden?Jede Wissenschaft hat ihre Fachbegriffe. Mehr noch: Wenn es verschiedene Richtungen innerhalb einer Wissenschaft gibt, kommt es vor, dass dieselben Begriffe innerhalb einer Disziplin nicht einheitlich verwendet werden oder es unterschiedliche Ausdrücke für dieselben oder für ähnliche Sachverhalte gibt. So kann z.B. eine Depression von der einen wissenschaftlichen Richtung als "psychische" Störung bezeichnet werden, während eine andere von einer "psychiatrischen" Störung oder Erkrankung redet oder eine dritte Gruppe von einem "seelischen" Leiden spricht.Welcher Begriff verwendet wird, hängt dabei oft von der Sichtweise des Betrachters ab. So soll die Bezeichnung "psychiatrische Erkrankung" mitunter darauf hinweisen, dass der Betroffene in eine fachärztliche - eben psychiatrische - Behandlung gehört. Die Bezeichnung "seelisch" oder "psychisch" hingegen will oft verdeutlichen, dass eine solche Erkrankung nichts mit dem Körper, der Physis, zu tun habe. Von manchen Vertretern dieser Auffassung wird angenommen, dass eine solche Erkrankung ausschließlich auf die Kindheit oder auf die Lebensumstände des Betroffenen zurückzuführen sei. Die moderne Forschung hat jedoch gezeigt, dass Erkrankungen wie z.B. die Depression äußerst selten nur eine Ursache haben. Vor allem kann man bei den Ursachen nicht genau zwischen körperlichen und seelischen Faktoren trennen. Am Anfang einer Depression kann ein seelisches Problem, z.B. die Trauer über einen Todesfall stehen; genauso richtig ist aber auch, dass sich heute viele psychische Erkrankungen auf biologische Fehlfunktionen, also auf Stoffwechselstörungen im Gehirn zurückführen lassen. Umgekehrt ist bekannt, dass bestimmte körperliche Erkrankungen auch psychische Symptome und Folgen haben. So leiden zum Beispiel viele Schilddrüsenkranke durch ihre Hormonstörungen zusätzlich unter depressiven Stimmungen. Das Forum für seelische Gesundheit möchte die Behandlung psychisch Kranker verbessern und in diesem Rahmen die Zusammenarbeit zwischen allen seriösen Therapeuten fördern. Diese angestrebte Vernetzung der Therapiemöglichkeiten soll nicht dadurch erschwert werden, dass wissenschaftliche Diskussionen das Zusammenwirken der Fachleute behindern. Aus diesem Grund werden in den Informationsschriften des Forums die Begriffe "seelisch", "psychisch" und "psychiatrisch" gleichbedeutend verwendet. Sie alle bezeichnen Symptome einer Erkrankung, die sich vor allem im Fühlen, Denken oder Verhalten des Betroffenen äußern. 3. Mit Lebensproblemen zum Arzt?Gerade bei psychischen Erkrankungen kann es vorkommen, dass der Betroffene nicht nur an der Erkrankung, sondern auch an einem Lebensproblem leidet - und beides schwer voneinander zu unterscheiden ist. So kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Ein Beispiel: Diese Beispiel illustriert anschaulich die besondere Problematik einer psychischen Erkrankung. Der Betroffene leidet unter seiner beruflichen Situation ("Lebensproblem"). Gleichzeitig zeigt er jedoch Anzeichen einer Depression: Unfähigkeit, sich zu freuen, Neigung zum Grübeln, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme ("Erkrankung"). Solche Symptome müssen unbedingt von einem Arzt untersucht werden. Nur er kann feststellen, welche Erkrankung sich hinter diesen Symptomen verbirgt. Sollte der Betroffene an einer Depression erkrankt sein, so kann er von einem Arzt oder von einem Psychologen behandelt werden (siehe unten, Kapitel 11). Bei der Bewältigung seiner beruflichen Situation können jedoch neben dem Arzt oder Psychologen auch andere Stellen Hilfe anbieten. Unter Umständen genügt auch das einfühlsame Gespräch mit einem Freund oder einem Angehörigen. Aus diesen Gründen muss zwischen belastenden Lebensproblemen und einer psychischen Erkrankung unterschieden werden. Lebensprobleme sind alle Lebensumstände, die ein Mensch als belastend empfindet, die aber nicht selbst schon Symptom einer Krankheit sind. Lebensprobleme können natürlich auch psychiatrische Erkrankungen auslösen oder sie begleiten. Sie sind aber nicht mit der Erkrankung identisch.
4. Was ist eine Depression?Wir alle kennen Phasen der inneren Erschöpfung und der Verzagtheit. Solche Phasen können durch viele Ereignisse ausgelöst werden. Der Verlust eines Partners, berufliche Erfolglosigkeit oder eine private Enttäuschung können so belastend sein, dass sie alle anderen Bereiche des Lebens negativ beeinflussen. Aus der Sicht eines Arztes muss es sich dabei nicht um eine Depression handeln. Es kann auch sein, dass Trauer und Mutlosigkeit normale Reaktionen unserer Psyche auf diese Lebensprobleme sind. In einem solchen Fall ist die Lebenskrise, das Stimmungstief, eng mit dem Lebensproblem verbunden, das sie ausgelöst hat. Sobald der Verlustschmerz oder die Überlastung nachlässt, hellt sich die Stimmung wieder auf. Eine Depression im medizinischen Sinn ist jedoch etwas anderes: eine behandlungsbedürftige, psychiatrische Erkrankung. Wer an einer Depression erkrankt ist, kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der gedrückten Stimmung befreien. Aufforderungen wie "Nimm Dich zusammen" oder "Mach' doch mal Urlaub" helfen nicht weiter. Eine Depression kann, wenn sie nicht richtig behandelt wird, Monate oder sogar Jahre andauern. 5. Was unterscheidet eine Depression von einer normalen Trauerreaktion?Die Symptome einer Depression lassen sich nicht mit einigen Worten zusammenfassen. Es gibt kein einheitliches Erscheinungsbild dieser Erkrankung. Zwei Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können unter sehr unterschiedlichen Symptomen leiden. Es gibt Überschneidungen mit anderen Erkrankungen, wie auch jedes einzelne Anzeichen einer Depression von einer anderen Erkrankung herrühren kann. Deswegen ist es von großer Wichtigkeit, mit einem Arzt über seine Beschwerden zu sprechen. Nur ein erfahrener Arzt kann feststellen, ob jemand an einer Depression erkrankt ist oder ob er unter Lebensproblemen leidet; vielleicht liegt aber auch eine andere Erkrankung vor. Eine Depression ähnelt in einigen Anzeichen einer "normalen" Trauerreaktion. Der Betroffene ist mutlos, verspürt eine tiefe Leere oder Traurigkeit. Beschäftigungen, denen er früher gerne nachging, machen ihm jetzt keine Freude mehr, er vernachlässigt Hobbys und andere Freizeitaktivitäten. Es gibt jedoch einige Anzeichen, die eine Depression von einer "gesunden" Trauerreaktion unterscheiden. Trauer "ohne" Grund: Im Gegensatz zu einer depressiven Erkrankung sind Phasen der Trauer im allgemeinen nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten überwunden. Eine unbehandelte Depression hingegen zieht sich häufig über einen langen Zeitraum hin; oft dauert sie solange, dass man sie schließlich nicht mehr auf ein belastendes Ereignis zurückführen kann. Außerdem kann eine Depression auch ohne ein äußeres Ereignis auftreten. Michael T. fühlt sich seit drei Monaten einfach nicht mehr wohl. Alles hatte damit begonnen, dass er nachts nicht mehr richtig schlafen konnte, oft aufwachte und morgens schon lange wach war, bevor der Wecker klingelte. Tagsüber fühlte er sich müde und abgespannt, hatte Schwierigkeiten, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Zunächst führte er diese Probleme auf den Schlafmangel zurück. Doch bald bemerkte er, dass er sich auch bei ausreichendem Schlaf morgens wie gerädert fühlte. Hobbys, denen er früher begeistert nachging, machten ihm plötzlich keine Freude mehr und es fiel ihm immer schwerer, sich überhaupt zu irgendetwas aufzuraffen. Er ging nicht mehr zu seinem Fußballtraining, las keine Zeitung mehr und schaute nicht mehr fern. Auch seine Frau klagte, dass er kein Interesse mehr am Sex habe. Ebenso wurde seine Stimmung zunehmend bedrückter. Michael T. konnte sich diese Veränderung gar nicht erklären, da er eigentlich ein lebensfroher Mensch war und ein wirklicher Anlass für seine Bedrücktheit fehlte. Trotzdem zog er sich immer weiter von seiner Familie zurück, saß stundenlang in seinem Zimmer und grübelte über sein Leben nach. Eines Abends äußerte er gegenüber seiner Frau, dass er in seinem Leben seinen Sinn mehr sähe und dass er immer wieder daran denke "mit allem Schluss zu machen". Keine Aufheiterbarkeit: Im Unterschied zu Menschen, die einfach traurig sind, ohne dabei im medizinischen Sinn krank zu sein, lässt sich ein Mensch, der an einer Depression leidet, in der Regel nicht von seinen Empfindungen ablenken. Im Kreise von Freunden oder im Urlaub wird ihre Stimmung nicht besser, oft sogar noch niedergedrückter. Am liebsten möchte Götz B. morgens einfach nicht mehr aufstehen. Allein die Vorstellung, er müsse duschen und sich anziehen, macht ihm Angst und drängt ihn noch tiefer in die Kissen zurück. Wann immer er kann, bleibt er im Bett liegen und "denkt über alles nach". Nur so glaubt er, das Leben noch ertragen zu können. Auf der anderen Seite fühlt er sich gerade an solchen Tagen nutzlos und überflüssig, wenn er daran denkt, wie er seinen Beruf und seine sonstigen Aktivitäten vernachlässigt. Seinen Freunden ist Götz‘ Antriebslosigkeit aufgefallen. Sie beschließen, ihm zu helfen. Sie besuchen ihn überraschend und überreden ihn zu einer ausgedehnten Kneipentour. Götz B. spürt die Erwartungen, die sich an ihn richten. Alle Aktivitäten des Abends sind darauf ausgerichtet, dass er sich wohl fühlt. Trotzdem empfindet er die Anwesenheit seiner Freunde eher anstrengendals ermunternd. Als diese bemerken, dass Götz B. sich nicht aufheitern läßt, sind sie enttäuscht und lassen Götz B. dies auch spüren. Als er später wieder allein zu Hause ist, fühlt er sich noch nutzloser und überflüssiger als je zuvor. Stimmungsschwankungen im Laufe des Tages: Eine weitere Besonderheit der Depression, die diese Erkrankung von einer normalen Verstimmung unterscheidet, ist, dass die Beschwerden in Abhängigkeit von der Tageszeit auftreten können (Tagesschwankungen): Der Betroffene ist am frühen Tag besonders traurig oder mutlos (Morgentief), während es gegen Nachmittag zu einer Aufhellung der Stimmung kommt. Der Stimmungsrhythmus kann jedoch auch anders verlaufen: Er beginnt mit einem Hoch am Morgen und endet mit gedrückter Gefühlslage am Abend. Bei einer schweren Depression sind diese Stimmungsschwankungen oft ein Zeichen für eine einsetzende Besserung, während anfangs die Stimmung durchgängig gedrückt ist, gibt es jetzt immerhin erste Phasen der Aufhellung. 6. Woran erkennt man eine Depression?Im folgenden werden die wichtigsten Anzeichen aufgeführt, die auf eine Depression schließen lassen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, daß sich eine Depression auf sehr unterschiedliche Art und Weise äußern kann. Außerdem können viele der unten aufgeführten Beschwerden auch durch andere Erkrankungen verursacht werden. Deswegen ist der Gang zu einem Arzt so wichtig: Nur er kann andere körperliche Störungen ausschließen und mit letzter Sicherheit feststellen, dass die Beschwerden ihren Grund in einer Depression haben. Traurige Stimmung: Im Vordergrund der Beschwerden steht meist das Gefühl der tiefen Traurigkeit und der Freudlosigkeit. Der Erkrankte fühlt sich niedergeschlagen und mutlos; die Stimmung ist getrübt. Manche Betroffene berichten auch von einem "Gefühl der Gefühllosigkeit" oder von einer inneren Leere. Zu dieser Trauer tritt eine Hoffnungslosigkeit. Der Erkrankte glaubt, dass er keine Zukunft mehr hat und dass er an seiner Situation nichts mehr ändern kann. Störungen des Antriebs und der Entscheidungsfähigkeit: Wer von einer Depression betroffen ist, kann sich oft zu nichts mehr entschließen; selbst einfache Verrichtungen machen ihm große Mühe. Der Erkrankte kann sich nicht entscheiden, was er tun möchte, wägt endlos ab, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Dies läßt sich manchmal auch an seinem Gesichtsausdruck und seinen Bewegungen erkennen. Die Augen strahlen nicht mehr, das Gesicht wirkt wie versteinert. Die Bewegungen mancher Depressiven wirken eingeschränkt und kraftlos. Man kann dem Erkrankten sein Leid förmlich ansehen.Der Mediziner spricht hier von einer Verarmung von Mimik und Motorik. Konzentrationsstörungen: Vielen Erkrankten fällt es sehr schwer, sich auf etwas zu konzentrieren. Ihre Arbeit strengt sie übermäßig an, sie fühlen sich von Aufgaben überfordert, die sie früher ohne Probleme erledigt haben. Viele Betroffene berichten auch von einem "Kreisen" der Gedanken. Es fällt ihnen schwer, sich von einigen wenigen Überlegungen zu lösen, über die sie immer wieder nachgrübeln müssen. Schlafstörungen: Bei vielen Erkrankte kommt es während einer Depression zu Schlafstörungen. Sie wachen oft auf oder können erst gar nicht einschlafen. Andere leiden unter einem stark erhöhten Schlafbedürfnis. So schlafen einige Depressive wesentlich länger als sonst und fühlen sich trotzdem nicht erholt. Die meisten liegen trotz Müdigkeit lange wach oder wachen schon in den frühesten Morgenstunden von selbst auf. Angst: Eine Depression wird häufig von Ängsten begleitet. Der Betroffene wird zum Beispiel von dem ständigen, unbegründeten Gefühl gequält, er sei unerwünscht oder für seine Mitmenschen eine Last. Auch machen sich viele Erkrankte vor dem Hintergrund ihrer Erkrankung Sorgen um ihre Zukunft. Dabei können die auftretenden Ängste eher unbestimmt sein, das heißt, der Betroffene verspürt ein Gefühl der dauernden Sorge, ohne genau zu wissen, wovor er Angst hat. Die Angst kann sich aber auch auf bestimmte Dinge beziehen. So fürchten sich manche Erkrankte davor, unheilbar krank zu sein, ohne dass es einen wirklichen Anlaß dazu gäbe. Auch eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt beruhigt sie nicht. Andere befinden sich in ständiger Sorge, dass ihren Angehörigen etwas zustoßen könnte. Seltener kommt es auch zu Angstattacken, bei denen sich die Angst in starken körperlichen Anzeichen ausdrückt. Der Betroffene leidet dann zum Beispiel unter Atemnot, Herzrasen oder Schwindel. Diese körperlichen Symptome können die Angst bis zur Todesangst steigern. Körperliche Beschwerden: Eine Depression kann sich auch in körperlichen, sogenannten somatischen Anzeichen äußern. Betroffene klagen über Schmerzen und Beschwerden, für die der Arzt keine körperliche (organische) Ursache finden kann. Dabei können die unterschiedlichsten Körperteile und Organe betroffen sein: Manche haben ganz isoliert Schmerzen im Schulter-Arm-Gürtel oder Kopfschmerzen. Oder es kommt zu Störungen im Magen-Darm-Bereich oder zu Überempfindlichkeiten der Haut. Andere klagen über Herzschmerzen oder über ein Gefühl der Enge in der Brust. Manische Phasen: Eine besondere Form der Depression zeigt sich im Auftreten sogenannter manischer Phasen. Eine manische Phase tritt ungefähr bei 10% aller Menschen auf, die an einer Depression erkrankt sind. In einer solchen Phase ist der Erkrankte übermäßig erregt, überschätzt seine eigene Leistungsfähigkeit und verhält sich gereizt bis aggressiv. Ebenso kann es sein, daß der Betroffene durch eine extreme Heiterkeit auffällt, die im allgemeinen nicht zur tatsächlichen Situation paßt. Auffällig ist auch ein nicht zu trübender Optimismus und der kaum zu bremsenden Rededrang des Erkrankten. Die Symptome einer Manie stellen insoweit fast das Gegenteil der sonstigen Anzeichen einer Depression dar. Während einer Manie kann es auch zu Wahnvorstellungen oder zu Sinnestäuschungen kommen. Marco S. litt schon längere Zeit unter einer bleiernen Müdigkeit und einer gedrückten Stimmung. Immer mehr Zeit verbrachte er im Bett. Er hatte keinen rechten Appetit mehr und verlor innerhalb kurzer Zeit fünf Kilogramm Körpergewicht. Nach drei Monaten der Zurückgezogenheit begann Marco S., sich plötzlich zu verändern. Innerhalb eines Tages war er von einer ansteckenden Fröhlichkeit und in seinem Aktivitätsdrang kaum noch zu bremsen. Auch seine Müdigkeit war wie weggeblasen, er kam mit wenigen Stunden Schlaf in der Nacht aus und war doch immer hellwach. Seine Freunde freuten sich zunächst darüber, da es doch offensichtlich mit ihm bergauf ging. Dann stellten sie jedoch fest, daß Marco S. sich immer seltsamer benahm: Er begann, finanziell über seine Verhältnisse zu leben, gründete gleichzeitig mehrere Firmen und veranstaltete aufwendige Feste, deren Kosten er nicht tragen konnte. Wenn ihm jemand widersprach oder ihn gar bremsen wollte, wurde Marco S. schnell aggressiv. Ein zu Rate gezogener Psychiater stellte schließlich die Diagnose "bipolare Störung als eine Unterform der Depression". Wenn Sie bei sich ein oder mehrere der genannten Anzeichen entdecken, so bedeutet dies nicht, dass sie an einer Depression leiden. Es ist aber wichtig, dass Sie mit einem Arzt - am besten ihrem Hausarzt - über diese Probleme sprechen. Nur ein ausgebildeter Mediziner kann mit Sicherheit ausschließen, dass ihre Beschwerden nicht auf anderen, körperlichen Ursachen beruhen. Dabei ist es wesentlich, dass Sie Ihrem Hausarzt keine Informationen vorenthalten. Seelische Probleme gelten in der Gesellschaft viel zu oft als ein Zeichen von Schwäche. Dementsprechend reden viele Menschen beim Arzt lieber über körperliche Beschwerden, wie z.B. Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden oder allgemeine Müdigkeit. Solche Probleme werden dann oft als allgemeiner Erschöpfungszustand bewertet. Helfen Sie ihrem Arzt bei der Diagnose, indem Sie ihn umfassend über Ihre Beschwerden informieren. Dabei sollten auch sogenannte "Tabuthemen" nicht ausgespart werden: Haben Sie kein Verlangen mehr nach Sex? Fühlen Sie sich beruflich oder privat stark unter- oder überfordert? Haben Sie in letzter Zeit an Selbstmord gedacht? Fällt es Ihnen schwer, sich auf ihre Tätigkeiten zu konzentrieren? Eine Möglichkeit, den Arzt bei seiner Diagnose zu unterstützen, ist der Fragebogen am Ende dieser Informationsschrift. Dieser Bogen kann keine ärztliche Untersuchung ersetzen. Er spricht jedoch einige grundlegende Fragen im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen an. Nehmen Sie sich die Zeit und beantworten Sie die gestellten Fragen. Sollte die Auswertung ergeben, dass ein Arztbesuch angeraten erscheint, so kann es für Ihren Arzt eine große Hilfe bedeuten, wenn Sie ihn anhand des mitgebrachten Fragebogens auf Ihre Beschwerden hinweisen. Wird eine Depression festgestellt, so kann der Arzt eine wirksame Therapie anbieten. Diese wird er dann allein oder in Zusammenarbeit mit einem Psychologen durchführen. Handelt es sich um eine schwere Form der Depression oder tritt nach zwei bis drei Monaten der Behandlung keine Besserung ein, so wird Sie der Hausarzt wahrscheinlich an einen Facharzt überweisen. 7. Was bedeutet Suizidgefahr?Viele Depressive fühlen sich nutzlos oder schämen sich für Ereignisse, die anderen Menschen gar nicht aufgefallen sind. Dabei entwickeln sie häufig ein Gefühl der eigenen Wert- und Nutzlosigkeit. Sie sehen in ihrem Leben keinen Sinn mehr und wünschen sich häufig, dass sie einfach nicht mehr existierten. In einer solchen Situation erscheint dem Betroffenen oft der eigene Tod als einziger Ausweg. Diese Selbstmordgefahr, die der Mediziner Suizidgefahr nennt, ist eine häufige, früher oder später auftretende Begleiterscheinung einer Depression. Sie ist ein hohes Risiko für den Patienten. Gerade deswegen ist der Gang zum Arzt so wichtig: Nur er kann feststellen, ob jemand wegen eines Lebensproblems eine Phase der Trauer oder Enttäuschung durchmacht, oder ob er an einer Depression erkrankt ist. Hier besteht auch eine wichtige Aufgabe für Freunde und Angehörige. Häufig wurde ein Selbstmord vorher angekündigt. Nehmen Sie die Andeutung von Selbstmordabsichten ernst. Versuchen Sie nicht, dem Gefährdeten den Selbstmord auszureden. Nehmen Sie - sofern der Betroffene schon in ärztlicher Behandlung ist - Kontakt zum behandelnden Arzt auf. Bis ein Arzt die Verantwortung übernommen hat, sollten Sie den Erkrankten beobachten und ihm die Möglichkeit eines Gesprächs bieten. Die Möglichkeit, über seine Sorgen zu reden, verschafft dem Depressiven - wie auch dem Gesunden - Entspannung und hilft ihm so über akute Selbstmordgedanken hinweg. 8. Wie verläuft eine Depression?Eine Besonderheit der Depression ist ihr Auftreten in Episoden, der Mediziner nennt dies auch "phasisches Auftreten". Circa 30% der Betroffenen erleben lediglich eine einmalige depressive Phase. Von einer einmaligen depressiven Phase spricht man, wenn der Betroffene einmal an einer Depression erkrankt ist und diese ausheilt, ohne dass Beschwerden zurückbleiben. Diese Tatsache ist aus Sicht des Erkrankten und seiner Angehörigen von besonderer Bedeutung: Eine Depression ist nicht zwangsweise eine chronische, d.h. eine dauerhaft bestehende Erkrankung. Es besteht sogar eine gute Aussicht, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis handelt.Eine depressive Phase kann von sehr unterschiedlicher Länge sein. Grober Mittelwert ist eine Länge von drei bis zwölf Monaten. Es kommen jedoch auch wesentlich kürzere Phasen von einigen Stunden, Tagen oder Wochen vor. Eine weitere Form der Depression ist das Auftreten in abwechselnd manischen und depressiven Phase. Diese Form heißt in der medizinischen Fachsprache Zyklothymie. Treten mehr als vier Phasen in einem Jahr auf, so spricht der Arzt von einem Rapid-cycling-Syndrom. Sind die Symptome der Depression zwar chronisch, aber eher leichter Natur, so bezeichnet man sie als Dysthymie. Bei dieser Form der Depression leidet der Betroffene an einer dauerhaften Herabgestimmtheit, die jedoch nicht die Intensität der schweren Depression (major depression) erreicht. Der Erkrankte ist zwar langfristig beeinträchtigt, kann jedoch in vielen Fällen noch ein weitgehend normales Leben führen und am Arbeitsleben teilnehmen. Die Dysthymie wurde früher depressive Neurose genannt. Es gibt außerdem noch einige Verlaufsformen der Depression, die meist nach ihrem vermuteten Auslöser benannt sind. Viele dieser Auslöser sind wissenschaftlich nicht belegt, beispielsweise die angebliche Feiertagsdepression. Es gibt jedoch einige Lebensumstände, bei denen es erwiesenermaßen häufiger zu einer Depression kommt. Ein Beispiel ist die Wochenbettdepression. Manche Frauen leiden in Laufe der ersten zehn Tage nach einer Entbindung an Depressionen, die jedoch meist schnell abklingen. Ein ähnliches Phänomen tritt in den Wechseljahren der Frau auf. In beiden Fällen wird vermutet, dass die Depression durch die Umstellungen im Hormonhaushalt verursacht wird. Ein weiteres Beispiel einer Depression, die wahrscheinlich durch einen besonderen Umstand ausgelöst wird, ist die sogenannte saisonale, d.h. jahreszeitabhängige Depression. Es ist bekannt, dass in den Herbst- und Wintermonaten gehäuft depressive Erkrankungen auftreten. Diese werden auf die geringe Lichtmenge in den dunklen Monaten zurückgeführt. Diese besondere Form der Depression versucht man durch eine Lichttherapie zu behandeln. Dabei wird der Patient einer intensiven Lichtbestrahlung ausgesetzt, die in ihrer Zusammensetzung dem natürlichen Tageslicht entspricht. 9. Wie entsteht eine Depression?Anders als ein Beinbruch lässt sich eine Depression im allgemeinen nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Meist sind verschiedene Faktoren beteiligt, die erst im Zusammenspiel eine Depression entstehen lassen. Vereinfacht lässt sich jedoch sagen, dass es innere und äußere Umstände gibt, deren Vorhandensein einen Menschen an einer Depression erkranken lassen. Um das Zusammenwirken dieser Faktoren zu verstehen, muss man wissen, wie sich die Informationsweitergabe innerhalb unseres Gehirns abspielt. Die einzelnen Nervenzellen, die unseren Körper durchziehen und aus denen unser Gehirn besteht, tauschen untereinander Informationen aus. Dabei können diese Informationen als Sinneseindrücke registriert werden, z.B. als Anblick eines Bildes oder als Hören von Musik. Es kann sich aber auch um Gefühle oder Gedanken handeln. Die Weitergabe solcher Informationen zwischen einzelnen Zellen des Gehirns findet durch die Ausschüttung von Botenstoffen statt, den sogenannten Neurotransmittern. Nach Ansicht der neueren Wissenschaft kommt es während einer Depression zu einer Störung dieses Stoffwechsels im Gehirn. Vor allem bestimmte Botenstoffe, das Serotonin und das Noradrenalin sind aus der Balance geraten. Durch diese Stoffwechselstörung sinkt die Fähigkeit, Empfindungen wie Freude oder Zufriedenheit zu verspüren; negative Gefühle werden übermächtig. Diese Stoffwechselstörung wird oft durch einschneidende Lebensereignisse verursacht. Ein solches Ereignis kann bereits ein Umzug in eine fremde Stadt sein. Auch Lebensprobleme können für diese Störung verantwortlich sein: Verlust des Partners, Tod eines Angehörigen, dauernde berufliche Über- oder Unterforderung. In der Medizin ist umstritten, was bloße Rahmenbedingung und was eigentliche Krankheitsursache ist. Je nach Sichtweise kann man annehmen, dass Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn lediglich eine Begleiterscheinung der krankmachenden Lebensprobleme sind. Andererseits lässt sich natürlich auch sagen, dass alle Menschen in ihrem Leben Verluste und Trennungen erleiden oder Phasen der Überlastung durchstehen müssen, aber nur wenige daraufhin an einer Depression erkranken. Außerdem gibt es auch Menschen, die an einer Depression erkranken, die eigentlich gar keine Probleme haben. Bei ihnen kommt es ohne jeglichen Anlass zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. 10. Wie wird eine Depression behandelt?Für den Erkrankten ist bei der Behandlung vor allem eins wichtig: Eine Depression kann vom Arzt vielfach mit großem Erfolg behandelt werden. Dabei kommen im wesentlichen zwei Behandlungsformen zum Einsatz: Die Therapie mit Arzneimitteln und die Psychotherapie. Bei leichten Formen der Depression ist nach dem heutigen Wissensstand von einer Gleichwertigkeit einer Behandlung mit Medikamenten und bestimmten Formen der Psychotherapie auszugehen. Handelt es sich um eine schwere Form der Depression, so ist zunächst eine Therapie mit Arzneimitteln zu wählen, da sie den größten Erfolg vorweisen kann. Schlägt diese Therapie nicht gleich an, so ist durch einen Arzt oder einen Psychologen eine begleitende Psychotherapie durchzuführen. Es ist auch möglich, beide Therapieformen zu kombinieren. Der behandelnde Arzt wird die Behandlung einer Depression immer auf den einzelnen Patienten individuell abstimmen. Von besonderer Bedeutung für die Behandlung eines depressiven Menschen ist dabei das Gespräch. Der Erkrankte muss die Möglichkeit haben, über sein Leiden und seine Sorgen sprechen zu können. Diese Möglichkeit wird ihm der Arzt oder der Psychologe neben der Psychopharmako- und der Psychotherapie bieten. Es gibt schließlich auch depressive Erkrankungen, die nicht behandelbar sind, diese werden fachsprachlich therapieresistente Depression genannt. Therapie mit Arzneimitteln/Psychopharmakotherapie Eine andere Medikamentengruppe sind die Benzodiazepine. Diese Medikamente werden manchmal begleitend für einige Tage bis Wochen eingesetzt, um die Angst zu lindern, die oft begleitend zur Depression auftritt. Sie lindern somit die akuten Beschwerden, haben aber keine dauerhafte antidepressive Wirkung. Da bei ihnen die Gefahr der Abhängigkeit besteht, dürfen sie nicht länger als vier Wochen eingesetzt werden. Verzögerte Wirkung (Wirklatenz) Nebenwirkungen Wichtig ist dabei, daß der Patient das Medikament nicht eigenmächtig absetzt oder niedriger dosiert. Informieren Sie Ihren behandelnden Arzt über diese Nebenwirkungen. Wenn Nebenwirkungen nicht von selbst aufhören, besteht die Möglichkeit, diese über eine Veränderung der Dosis des Medikamentes zu reduzieren. Ebenso kann der Arzt unter Umständen ein anderes Präparat verordnen, das bei der gleichen Wirksamkeit gegen die Depression nicht diese oder eine schwächere Form dieser Nebenwirkungen hat. Nebenwirkungen sind kein unabwendbares Los, das einfach hingenommen werden muss. Dauer der Behandlung Psychotherapie Vereinfacht lässt sich die Psychotherapie in zwei Richtungen trennen: Verhaltenstherapeutische Ansätze und tiefenpsychologische Ansätze. Die Tiefenpsychologie versucht, die Gründe für die seelische Störung zu finden. In einem Verfahren, das unter Umständen sehr lange dauert, versucht der Therapeut, Erlebnisse im Leben des Betroffenen zu ermitteln, die zu der psychischen Erkrankung geführt haben können. Diese Erlebnisse werden meist in der frühkindlichen Entwicklung vermutet. Die Verhaltenstherapie basiert auf den Ergebnissen der Lernforschung. Ihr Ziel ist es, dass der Erkrankte durch Gespräche, Übungen und neue Einsichten seine Verhaltensweisen, die seine Erkrankung mitverursachen erkennt, und ändert. Dabei wird die seelische Erkrankung als eine Art falsch eingeübtes Verhalten angesehen, das man durch entsprechendes Training wieder ändern kann. Ein vereinfachtes Beispiel: Zwei Menschen erleben dieselbe Situation, z.B. bewerben sich beide um eine Arbeitsstelle. Beide erhalten eine ablehnende Nachricht. Der erste Bewerber hat daraufhin vielleicht folgende Gedanken: "Es gab viele Bewerber und es konnte nur eine Stelle vergeben werden. Vielleicht war der erfolgreiche Bewerber dem Personalchef privat empfohlen worden. Hoffentlich hat meine nächste Bewerbung mehr Erfolg." Der zweite Bewerber denkt vielleicht ganz anders: "Ich habe die Ablehnung fast erwartet. Wahrscheinlich waren alle Mitbewerber besser als ich. Das war ein weiterer Beweis dafür, dass aus mir nie etwas wird. Ich werde niemals einen guten Job bekommen. Ich bin nichts wert, mein Leben ist sinnlos." Dieses etwas überspitzte Beispiel zeigt deutlich, dass es vollkommen unterschiedliche Wege gibt, ein negatives Erlebnis zu verarbeiten. Es bedeutet natürlich nicht, dass jemand, der schlecht mit Enttäuschungen umgehen kann, automatisch an einer Depression erkrankt. Es zeigt aber, dass manchmal die Reaktion eines Menschen auf eine erlebte Enttäuschung unter Umständen zu weiteren Enttäuschungen führen kann. Diese "falschen" Wege wird der Verhaltenstherapeut herausarbeiten und versuchen, gemeinsam mit dem Betroffenen Strategien zu erarbeiten, die ihm dabei helfen, mit persönlichen Niederlagen besser umzugehen. Die interpersonale Psychotherapie ("IPT") ist eine relativ neue Form der Psychotherapie, die sich zwischen der tiefenpsychologischen Psychotherapie und der Verhaltenstherapie bewegt. Bei dieser Form der Psychotherapie versucht der Therapeut, Konfliktsituationen des Erkrankten zu ermitteln, die zu der Erkrankung geführt haben könnten. Dabei beschränkt er seine Suche jedoch auf zentrale Bereiche des Lebens, z.B. Trennung oder Verlust. Die Dauer der Behandlung wird, wie bei der Verhaltenstherapie, auf eine bestimmte Anzahl von Sitzungen begrenzt. 11. Wer behandelt eine Depression?Hausarzt: Der erste Schritt bei gesundheitlichen Problemen sollte zum Hausarzt führen, denn er ist im allgemeinen am besten mit dem Gesundheitszustand seines Patienten und mit dessen persönlichem Umfeld vertraut. Dabei ist es wichtig, dass sich der Betroffene darüber im klaren ist, dass der Hausarzt nicht nur für körperliche Beschwerden der richtige Ansprechpartner ist. Bevor der Hausarzt von den depressiven Symptomen auf eine Depression schließt, wird er ausschließen, daß eine andere Erkrankung vorliegt. So wird er zum Beispiel überprüfen, ob die Schilddrüse normal arbeitet oder ob eine andere organische Erkrankung vorliegt. Stellt der Hausarzt eine Depression fest, so wird er mit dem Patienten zusammen eine Behandlungsstrategie entwerfen. Dabei wird er zunächst erfragen, in welcher privaten und beruflichen Situation sich der Erkrankte befindet und welche Sorgen ihn belasten. Außerdem wird er ermitteln, zu welcher Form der Therapie der Betroffenen motiviert ist. Nach den Ergebnissen dieser Befragung richtet sich das Therapiekonzept. So kann es sein, daß der Hausarzt durch Weiterbildungsmaßnahmen die Zusatzbezeichnung "Psychotherapie" erworben hat und damit entsprechend ausgebildet ist, den psychotherapeutischen Teil der Therapie selbst durchzuführen. Es kann aber auch sein, daß der Hausarzt den Erkrankten an einen psychotherapeutisch tätigen Arzt oder Psychologen überweist. Facharzt: Liegt eine schwere Form der Depression vor oder tritt nach zwei bis drei Monaten keine Besserung der Beschwerden ein, so wird der Hausarzt wahrscheinlich eine Überweisung zum Facharzt vornehmen. Dieser wird in den meisten Fällen ein Psychiater sein, also ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Ein Psychiater hat nach seinem Medizinstudium eine fünfjährige Facharztausbildung absolviert und ist besonders zur Diagnose und zur Therapie von psychischen Erkrankungen befähigt. Diese Befähigung hat auch der Nervenarzt, dessen Ausbildung sich jedoch zum Teil von der des Psychiaters unterscheidet. Psychotherapeut: Gerade bei einer leichten Depression kann es angezeigt sein, daß ausschließlich oder neben der medikamentösen Behandlung eine Psychotherapie durchgeführt wird. Eine solche Psychotherapie kann der Hausarzt selber durchführen, wenn er durch Weiterbildungsmaßnahmen die Zusatzqualifikation "Psychotherapie" erworben hat. Auch einer der oben genannten Fachärzte kann eine Psychotherapie durchführen. Eine andere Gruppe von Fachleuten, die eine Psychotherapie durchführt, sind besonders qualifizierte Psychologen. Die Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben, Verhalten und Handeln des Menschen. Sie beschäftigt sich nicht ausschließlich mit Erkrankungen, weswegen Psychologen, die psychotherapeutisch tätig werden wollen, eine zusätzliche Ausbildung durchlaufen. Da es körperliche Erkrankungen gibt, deren Anzeichen einer Depression ähneln, wird der psychologische Psychotherapeut den Patienten vor Beginn der Psychotherapie zu einer körperlichen Untersuchung an einen Arzt verweisen. Auch während der Psychotherapie kann der Psychologe mit einem Arzt zusammenarbeiten, beispielsweise wenn die Gabe von Medikamenten notwendig ist. Seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes ist der Titel "Psychotherapeut" gesetzlich geschützt und ausschließlich Psychologen mit einer entsprechenden Ausbildung dürfen sich Psychotherapeut nennen. Betroffene können sich jetzt direkt an einen Psychologen wenden. Wenn dieser eine Kassenzulassung hat, werden die Behandlungskosten von der Krankenkasse übernommen. 12. Was können Angehörige und Freunde tun?Wie man jemandem helfen kann, der an einer Depression erkrankt ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Beteiligen Sie sich an der Aufklärung über die Erkrankung, sprechen Sie mit Freunden und Bekannten über das Thema Depression. Vielleicht geben Sie ihnen auch einfach diese Informationsschrift. Zeigen Sie Verständnis für die Situation des Erkrankten. Versuchen Sie nicht, dem Betroffenen klar zu machen, dass sein Leben doch gar nicht so schlimm sei oder dass es andere Menschen gäbe, denen es schlechter ginge. Solche - oft gut gemeinten - Aufmunterungsversuche bestärken in einem Depressiven nur das Gefühl, versagt zu haben und sein Leben nicht meistern zu können. Regelmäßigkeit der therapeutischen Maßnahmen: Wenn Sie mit jemandem, der an einer Depression erkrankt ist, in einem Haushalt leben, achten Sie darauf, daß der Betroffene seine Medikamente regelmäßig nimmt und seine Termine mit einem Arzt oder Psychotherapeuten auch wirklich einhält. Dies bedeutet nicht, daß Sie Ihrem Freund oder Angehörigen nachspionieren sollen oder dass Sie ihn bevormunden. Wer an einer Depression erkrankt ist, neigt jedoch dazu, an seine Heilung nicht zu glauben und empfindet unter Umständen bereits das Wahrnehmen von Arztterminen als große Belastung. Hier können die Freunde und Angehörigen einfühlsam Hilfestellung leisten. Außerdem empfinden viele Depressive ein unbestimmtes Gefühl der Schuld. So kommt es vor, dass ein Betroffener seine Beschwerden nicht auf seine Erkrankung zurückführt, sondern sie als eine Form von Strafe für Fehlverhalten ansieht. Auf der anderen Seite brechen viele depressive Patienten die Behandlung von sich aus ab, wenn die ersten Anzeichen einer Besserung eintreten. Dies birgt die Gefahr, dass es innerhalb kürzester Zeit wieder zu einer Verschlechterung des Zustandes kommt. Gerade bei der Langzeitbehandlung wird Geduld benötigt. Selbstmordrisiko: Eine Depression wird immer von einem großen Selbstmordrisiko begleitet. Nehmen Sie entsprechende Andeutungen des Betroffenen ernst. Oft wurde ein Selbstmord vorher angekündigt. Versuchen Sie nicht, einem Depressiven die Idee des Selbstmordes einfach auszureden. Auch wenn Ihr Freund oder Angehöriger Ihnen gegenüber von seinen Todesgedanken Abstand nimmt, kann es sein, dass diese in kurzer Zeit zurückkehren. Geben Sie ihm Gelegenheit, sich auszusprechen. Wer an einer Depression leidet sollte immer die Möglichkeit haben, mit jemandem reden zu können. Eine Depression einschließlich ihrer Begleiterscheinungen ist nichts, was man mit dem Willen überwinden kann. Benachrichtigen Sie den behandelnden Arzt. Gestaltung des Tagesablaufs: Einem Depressiven fällt es oft sehr schwer, sich zu irgendwelchen Aktivitäten aufzuraffen. Bereits das Aufstehen und das Ankleiden stellen große Hürden dar. Hier können Angehörige und Freunde Hilfe leisten, indem sie den Erkrankten dabei unterstützen, zu einem geregelten Tagesablauf zu finden. Diese Unterstützung sollte nicht in Bevormundung oder Maßregelung ausarten. Eine Möglichkeit der Hilfe besteht zum Beispiel darin, eine feste Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang zu verabreden. Keine Überforderung: Eine wichtige Regel bei der Hilfe von Angehörigen und Freunde besteht darin, Überforderungen zu vermeiden. Gerade am Anfang seiner Erkrankung muss der Betroffene auch lernen, sich fallen lassen zu können und seine Antriebsarmut zu akzeptieren. Vorsicht ist jedoch nicht nur bei einer Überforderung des Erkrankten geboten, sondern auch bei einer Überlastung des Helfers. Wer einem psychisch kranken Menschen als Freund oder Angehöriger zur Seite stehen will, sollte sich über die möglichen Belastungen im klaren sein. Eine psychische Erkrankung unterscheidet sich insoweit nicht von einer körperlichen Krankheit. Genauso wenig wie sich eine Depression mit dem puren Willen überwinden lässt, so wenig lassen sich alle Belastungen für das private oder häusliche Umfeld des Erkrankten nur mit gutem Willen überwinden. Das Gespräch mit einem Menschen, der an einer Depression leidet, dreht sich oft nur um die Erkrankung selbst. Dies kann eine Belastung für den Freund oder den Angehörigen darstellen, die nicht zu unterschätzen ist. Wer einem Erkrankten helfen will, darf von sich nicht zuviel verlangen. Schaffen Sie sich Freiräume, in denen Sie andere Aktivitäten wahrnehmen. Es besteht auch die Möglichkeit, das Gespräch mit anderen Angehörigen in einer Angehörigengruppe zu suchen. Die Adressen der Landesverbände der Angehörigen psychisch Kranker finden Sie im Anhang dieser Schrift. Dort kann man Ihnen eine Angehörigengruppe in Ihrer Nähe nennen. 13. Wie kann man einer Depression vorbeugen?Bei der Frage nach der Vorbeugung einer Depression - der Mediziner spricht hier von einer Phasenprophylaxe - ist vor allem eins zu betonen: Ein großer Teil der Betroffenen erlebt nur eine einzige Erkrankungsphase. Die Depression ist in der Regel kein chronisches Leiden. Deswegen stellt sich die Frage einer Vorbeugung gegen weitere depressive Phasen für viele Betroffene nicht zwingend. Sollte man jedoch bereits eine depressive Phase hinter sich haben und die Anzeichen einer erneuten Erkrankung bemerken, so ist es von großer Bedeutung, nach Rücksprache mit dem Arzt bereits in diesem frühen Stadium ein antidepressiv wirkendes Medikament zu nehmen. Medizinische Forschungen belegen, dass eine frühe Einnahme die Stärke und die Dauer einer Depression stark verringern kann. Die Einnahme dieses Medikaments darf selbstverständlich nicht nach eigener Idee erfolgen, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Arzt. Langzeitbehandlung mit Medikamenten (Phasenprophylaxe): Eine wichtige Möglichkeit der Rückfallvorbeugung stellt die medikamentöse Langzeitbehandlung dar. Dies bedeutet, dass man über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Arzneimittel einnimmt, um so das Auftreten weiterer depressiver oder manischer Phasen zu verhindern. Bei dieser Langzeitbehandlung kommt vor allem eine Behandlung mit Lithium in Betracht. Die vorbeugende Wirkung dieser Substanz ist wissenschaftlich sehr genau untersucht. Eine andere Möglichkeit der Vorbeugung besteht in der Einnahme eines Medikaments mit der Substanz Carbamazepin. Unter der medikamentösen Langzeitbehandlung halbiert sich die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Dies schließt weitere Phasen der Erkrankung nicht aus. Ein neuerliches Auftreten bedeutet jedoch nicht, dass die Medikamente in solchen Fällen keine Wirkung gezeigt hätten. Auch wenn bei einigen Betroffenen eine erneute Erkrankung nicht vollkommen verhindert werden kann, so verringert sich zumindest die Häufigkeit von neuen manischen oder depressiven Phasen. Dies konnte durch umfangreiche Studien belegt werden. Dementsprechend sollte sehr genau überlegt werden, ob man eine Behandlung wegen einer neuerlichen Phase der Erkrankung abbricht. Die Langzeitbehandlung mit Lithium kann auch Nebenwirkungen hervorrufen. Wegen der chemischen Ähnlichkeit des Lithiums mit dem Natrium kann das Lithium den Wasserhaushalt des Körpers beeinflussen. Bei 20 bis 40% der Betroffenen kommt es zu einer eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit der Nieren. Dies hat zur Folge, dass die Betroffenen häufiger Wasser lassen und mehr trinken müssen. Weiterhin kann es unter der Langzeitbehandlung mit Lithium zu einer unerwünschten Gewichtszunahme kommen. Ebenso können Magen-Darm-Beschwerden, Händezittern oder Muskelschwäche auftreten. Bei der Behandlung mit Carbamazepin kann es außerdem zu Müdigkeit, Schwindel, Sehstörungen oder Herzrhythmusstörungen kommen. Weiterhin kann es zu Funktionsstörungen der Schilddrüse kommen. Bei allen Nebenwirkungen der Phasenprophylaxe ist es wichtig zu wissen, daß sie oftmals nur am Beginn der Therapie auftreten und später wieder verschwinden können. Ebenso ist es für den Betroffenen wichtig zu wissen, daß die therapeutischen Wirkung von Lithium, der sogenannte phasenprophylaktische Effekt, erst mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Jahr auftritt. Diese Tatsachen verdeutlichen, dass es sehr wichtig ist, die verordneten Medikamente regelmäßig und langfristig einzunehmen. Diese regelmäßige Einnahme von Medikamenten empfinden viele Patienten als störend und einengend. Diese Einstellung resultiert jedoch oft aus einer falschen Sichtweise: Die Dauerbehandlung mit Arzneimitteln sollte nicht als Beleg dafür gewertet werden, dass die Erkrankung nicht heilbar sei. Vielmehr sollte das Augenmerk darauf gerichtet werden, daß die Langzeitbehandlung dem Betroffenen ein weitgehend beschwerdefreies Leben ermöglicht und einen guten Schutz gegen neuerliche Erkrankungen leistet. Insofern ist die medikamentöse Langzeitbehandlung bei psychischen Erkrankungen zum Beispiel mit der regelmäßigen Zuführung von Insulin bei der Zuckerkrankheit zu vergleichen: Beide Therapien lassen den Erkrankten aktiv am Leben teilnehmen und schützen ihn vor weiteren Gesundheitsschäden. Von ebenso großer Bedeutung für die Verhinderung weiterer depressiver oder manischer Phasen ist eine Lebensführung, die sich der einmal durchlittenen Erkrankung bewusst ist. Dabei kommt es vor allem darauf an, die sogenannte depressive Spirale zu vermeiden. Ein Beispiel: 1. Möglichkeit: Er hat Angst vor dem neuerlichen Auftreten der Erkrankung. Deshalb bleibt er verstärkt zu Hause, zieht sich von seinen sonstigen Aktivitäten zurück und meidet alle Situationen, die zu einer Belastung werden könnten. Dieser Rückzug birgt jedoch eine Gefahr in sich: Je weniger Peter H. unternimmt, desto weniger Chancen hat er auch, positive Erlebnisse zu erfahren. Damit nimmt die Gefahr zu, dass sich die ersten Beschwerden verschlimmern, woraufhin er sich noch mehr zurückziehen wird. Peter H. riskiert somit, dass er in eine sogenannte "depressive Spirale" gerät. 2. Möglichkeit: Peter H. hat in Zusammenarbeit mit seinem Arzt oder Psychologen gelernt, welche Dinge er als positiv und entlastend empfindet. Positiv besetzte Erlebnisse können für Peter H. zum Beispiel ein Kurz-Urlaub oder eine sportliche Aktivität sein. Entlastend kann aber auch die frühe Einnahme eines Medikaments (Antidepressivum) nach ärztlicher Verordnung wirken. Die positiven Aktivitäten und der bewusste Entschluss, der Erkrankung durch eine Therapie zu begegnen, können die Stimmung von Peter H. stabilisieren. So besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass eine neuerliche Phase der Erkrankung deutlich kürzer und weniger schwer verläuft. 14. Das Forum für seelische GesundheitDas Forum für seelische Gesundheit ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, auf die Situation seelisch erkrankter Patienten stärker aufmerksam zu machen und ihre Integration zu fördern. Das Forum wurde 1995 gegründet. Unter seinen Mitgliedern sind niedergelassene Ärzte und Kliniker, Wissenschaftler, Wissenschaftsjournalisten und karitativ engagierte Unternehmer. Die Finanzierung des Forums erfolgt durch Sponsoren aus dem Bereich der Wirtschaft, durch Spenden von Betroffenen und Angehörigen sowie durch Mitgliedsbeiträge. Das Forum ist Mitglied in der Landeszentrale für Gesundheitsförderung. Bitte unterstützen Sie die Arbeit des Forums für seelische Gesundheit. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Seite erstellt am 01.08.2000
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Letzte Änderung am 05.06.2003 |