Verhaltenstherapie
   
 

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Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie für die Behandlung depressiver Störungen ist bisher am besten untersucht und am deutlichsten nachgewiesen1. Ausgangspunkt dieser Behandlung ist die Annahme, dass es sich bei der Depression um ein "erlerntes Fehlverhalten" handelt, das durch Einüben neuer Verhaltensweisen überwunden werden kann. Diese ungünstigen erlernten Muster können sowohl das Verhalten selbst als auch ungünstige Denkmuster betreffen2.

Da das Denken mit dem Handeln eines Menschen verbunden ist, entspricht nach diesem Konzept bei depressiven Patienten ein solches negatives Denkmuster auf der kognitiven Ebene der Niedergeschlagenheit auf der Gefühlsebene und der Antriebsschwäche auf der Handlungsebene.

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Depressionsspirale

Denken und Handeln sind bei der Depression oft so miteinander verwoben, dass sie sich gegenseitig verstärken und eine Besserung der Depression erschweren. Wissenschaftler sprechen hier von der Depressionsspirale. Ein typisches Merkmal der depressiven Erkrankung ist das subjektive Gefühl vieler Patienten, "in einem Teufelskreis gefangen" zu sein. Depressiv gestimmte Menschen wirken oft belastend auf ihre Umwelt oder glauben von sich selbst, eine Last für die anderen zu sein. Deshalb werden sie von anderen gemieden oder sie ziehen sich selbst zurück, um die anderen nicht "herunterzuziehen".

Dieser Rückzug aber führt zu einem Verlust an Aktivität. Das Fehlen von sozialen Kontakten, Anregungen und Impulsen von außen verstärkt dann zusätzlich die depressive Verstimmung. Die Folge ist ein noch weiter gehender Rückzug mit noch größerem Kontaktverlust, der in totaler Isolierung und Passivität enden kann.


Abbildung: Depressionsspirale

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Erlernte Hilflosigkeit

Ungünstige Denk- und Verhaltensmuster entstehen, indem z.B. aus der realen Erfahrung der Ohnmacht in einer ganz bestimmten Situation oder Lebensphase die Einstellung bzw. der "Lerneffekt" entsteht, generell im Leben nichts bewirken zu können3.
Diese "erlernte Hilflosigkeit" bedeutet eine Verarmung des Denkens und eine Fixierung auf reduzierte Denkmuster wie: "das kann nur mir passieren, musste ja so kommen, ich kann ja eh nichts machen".

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Die 5 Schritte der kognitiven Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie versucht, eingefahrene negative Denkmuster in fünf Schritten gemeinsam mit dem Patienten zu verändern. Manchmal erfolgt die Therapie in Gruppen, um durch gemeinsame Arbeitsschritte und -erfolge den Ansporn bei den Betroffenen zu erhöhen und den Teilnehmern zu zeigen, dass sie nicht allein mit ihren Beschwerden sind.

Schritt 1
Patient und Therapeut definieren die Schlüsselprobleme, der Patient wird in seiner negativen Sichtweise akzeptiert. Einhergehend mit dem Aufbau der therapeutischen Beziehung wird zwischen Patient und Therapeut ein Arbeitsbündnis geschlossen.

Beispiel: Frau R. fühlt sich einsam und hat kaum mehr soziale Kontakte. Wenn sie Freunde oder Bekannte trifft, hat sie häufig das Gefühl, nicht gemocht oder benachteiligt zu werden.

Schritt 2
Patient und Therapeut besprechen den Aufbau von angenehmen, positiven Aktivitäten und den Abbau von belastenden, negativen Aktivitäten. Gemeinsam entwickeln sie Ideen, wie dies im Alltag umzusetzen ist (z.B. häufige Pausen, Entspannungsübungen, kleine Belohnungen, Ablehnung von überfordernden Arbeitsgängen etc.).

Beispiel: Frau R. erkennt, dass sie sich zu viele verpflichtende Aktivitäten aufbürdet, ohne auf einen angenehmen Ausgleich zu achten. Neben ihrem Halbtagsjob versucht sie den Haushalt perfekt zu erledigen, geht aber nur noch selten von selbst auf ihre Freunde und Bekannten zu.

Schritt 3
Die Wiederaufnahme von Kontakten zu Freunden und Bekannten, aber auch das eigene Verhalten in alltäglichen Situationen stehen im Mittelpunkt dieser Phase. Die Gestaltung eines sozialen Netzwerks sowie der Aufbau von sozialen Fertigkeiten werden besprochen. In Rollenspielen übt der Patient mit spezifischen alltäglichen Problemen umzugehen (durchsetzen in Konfliktsituationen, diskutieren mit Arbeitskollegen), die eigenen Interessen wahrzunehmen und seine Kontaktfähigkeit wieder herzustellen bzw. aufzubauen. An Stelle alter Denk- und Handlungsweisen werden neue Möglichkeiten erschlossen, wobei Sinn und Ziele des Rollenspiels gemeinsam mit dem Patienten besprochen und schließlich auf den Alltag übertragen werden.

Der Patient erkennt seine eigenen Denkweisen als "hausgemachtes Problem", nicht als unumstößliche Realität. Er lernt den Automatismus eingefahrener negativer Denkmuster zu erkennen, zu überprüfen und gegebenenfalls durch alternative Sichtweisen zu ersetzen. So lassen sich etwa Grundannahmen wie "Alle sind gegen mich; keiner findet das, was ich mache, gut" auswechseln gegen "Alle sind mir gegenüber positiv eingestellt; es liegt an mir, was ich daraus mache". Der Patient lernt auch in schwierigeren Situationen die Kontrolle zu behalten und erlangt seine frühere soziale Kompetenz zurück.

Schritt 4
Die "Erfolg-Vergnügen-Technik" als alternatives Denk- und Wahrnehmungsmodell wird vorgestellt. Hierzu planen Therapeut und Patient praktische Aktivitäten und deren Umsetzung (z.B. Wochenplanung mit abgestuften Aktivitäten). Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unangenehmen Pflichten und angenehmen Tätigkeiten im Tagesablauf  herzustellen.

Beispiel: Frau R. lernt in der Therapie, angenehme Aktivitäten und Hobbys schrittweise wieder mehr in ihre Wochenplanung aufzunehmen. Sie macht nun mehrere kleine Pausen am Tag, in denen sie kurz ein Café besucht oder Musik hört und trifft einmal in der Woche ihre Freundin zu einem Kegelabend. Sie lernt, dass ihre Stimmung sich bessert, wenn sich angenehme und unangenehme bzw. neutrale Aktivitäten die Waage halten.

Schritt 5
In dieser letzten Phase geht es vor allem um Erhaltung und Stabilisierung des Therapieerfolgs, den Umgang mit Rückschlägen sowie um vorbeugende Interventionen.

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Referenzen

1Gloaguen, V., Cottraux, J., Cucherat, M., & Blackburn, I.M. (1998). A meta-analysis of the effects of cognitive therapy in depressed patients. Journal of Affective Disorders, 49(1), 59-72.
2Vgl. Hautzinger, M. (1998). Depression. In: Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe.
3Henkel, V., Bussfeld, P., Möller, H.-J., & Hegerl, U. (2002). Cognitive-behavioural theories of helplessness/hopelessness: Valid models of depression? European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 252, 240-249.

Seite erstellt am 01.08.2000
Autor: Ulrich Hegerl >> mehr

Letzte Änderung am 30.11.2004